#LernenVernetzt macht Schule : Datum:
Die Corona-Pandemie führte dazu, dass Schulunterricht weitgehend online stattfinden musste. Um Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler in dieser herausfordernden Situation zu helfen, wurde von der Leibniz School of Education der Leibniz Universität Hannover die Initiative #LernenVernetzt ins Leben gerufen. In dieser unterstützen Lehramtsstudierende Lehrkräfte bei der (Online-)Lehre und ermöglichen eine digitale Lernbegleitung für Schülerinnen und Schüler – und das auch über die Pandemie hinaus.

Von Alexandra Krüger, Helene Pachale, Mandy Schwarze und Katharina Müller
Die COVID-19 bedingten Schulschließungen führten im März 2020 dazu, dass ein Teil der an der Leibniz Universität Hannover (LUH) immatrikulierten Lehramtsstudierenden ihre Praktika an den Schulen nicht vollständig absolvieren oder diese noch nicht beginnen konnten. Die lehrkräftebildenden Institute an der Leibniz Universität Hannover waren nun mit der Aufgabe konfrontiert, mit dieser Situation sinnvoll umzugehen.
Ausgehend von der Idee, Lehramtsstudierenden zeitnah sinnstiftende sowie kompetenzfördernde Ersatzleistungen für ihr Schulpraktikum zu ermöglichen und gleichzeitig Schulen, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler zu unterstützen, entwickelten Alexandra Krüger, Helene Pachale und Mandy Schwarze von der Leibniz School of Education (LSE) gemeinsam mit Prof. Dr. Katharina Müller (Leiterin des Arbeitsbereichs Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Lehr-Lernforschung der LUH) die Initiative #LernenVernetzt.
Im Vordergrund stand die Frage, wie Lehramtsstudierende als angehende Lehrkräfte die Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern auch beim Lernen zu Hause unterstützen können. Von hervorgehobener Bedeutung ist hierbei die enge Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und den Lehrkräften an der Schule sowie der Fokus auf benachteiligte Lernende. Sowohl mit Blick auf die Qualität der Lernumgebungen als auch die Qualität der Lernbegleitung ist die Kooperation mit den Lehrkräften von zentraler Bedeutung, da diese den Lernstand und den Unterstützungsbedarf ihrer Schülerinnen und Schüler professionell diagnostizieren und auf dieser Grundlage adaptive Unterstützungsmaßnahmen ableiten können. Die Verantwortung für die Gestaltung der Lernumgebungen und der Lernprozesse für die Schülerinnen und Schüler obliegt also stets den Lehrkräften, von deren Expertise die Lehramtsstudierenden durch ihr Engagement profitieren und damit professionsspezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern.
Kooperation und Lernbegleitung durch digitale Tools
Im Zentrum von #LernenVernetzt stehen drei digitale Tools: (1) ein individuelles Matching, das hilfesuchende Lehrkräfte und ehrenamtlich engagierte Lehramtsstudierende zusammenbringt und als intelligente Schnittstelle zwischen Schule und Universität fungiert, (2) ein virtueller Lehr- und Lernraum (fairmeeting), der genutzt werden kann sowohl bei der ko-konstruktiven kollegialen Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Studierenden, als auch bei der Lernbegleitung der Schülerinnen und Schüler dient und der damit eine innovative universitäre Lerngelegenheit für digitale Schulpraktika zur Verfügung stellt und (3) die bereits an der Universität genutzte Online-Lernumgebung Stud.IP, die mit vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten die Zusammenarbeit der Studierenden untereinander fördert und dazu anregt, Wissen aktiv und kollaborativ zu konstruieren und zu verknüpfen.

Engagement und Professionalisierung
Ziel der ersten Runde von #LernenVernetzt war es, (1) Schülerinnen und Schüler individuell in ihren Lernprozessen zu begleiten und durch den Einsatz digitaler Unterstützungsmaßnahmen drohenden Bildungsungleichheiten kompensatorisch entgegenzuwirken, (2) Lehrkräfte bei der Umsetzung der mit dem Lernen zu Hause verbundenen Anforderungen zu unterstützen, (3) Lehramtsstudierende in einer Theorie und Praxis in neuartiger Weise verbindenden Lernumgebung die Möglichkeit zu bieten, Kernkompetenzen für das Unterrichten in einer digitalen Welt zu erlangen. Mit dieser Zielperspektive entwickelte sich aus der ursprünglichen Idee schnell ein umfassendes, interdisziplinäres Projekt, in dem Akteurinnen und Akteure aus Schule und Universität über Fächer- und Institutionsgrenzen hinweg aktiv zusammenarbeiten.
Das mediale Interesse hat dazu beigetragen, dass #LernenVernetzt überregional bekannt wurde und bis Mitte Dezember 2020 insgesamt 58 Lehrkräfte von 39 Schulen aus ganz Niedersachsen mit 133 Studierenden gematcht wurden. Diese engagieren sich sowohl an integrierten beziehungsweise kooperativen Gesamtschulen wie auch an Gymnasien, Berufs-, Grund- und Förderschulen.
In verschiedenen Fächern können Lehramtsstudierende via #LernenVernetzt Ersatzleistungen für ausgefallene Schulpraktika erbringen und ihre Professionalisierungsprozesse in strukturierten ePortfolios und Feedbackgesprächen reflektieren. Aufgrund der vielen Fragen rund um die IT-Infrastruktur an den Schulen wurden ab Mai 2020 auch Teams aus Studierenden des Lehramts und der Informatik mit Lehrkräften gematcht, die interdisziplinär zusammenarbeiten und an den individuellen Bedarfen der Lehrkräfte orientiert gemeinsam Lernarrangements entwickeln, die im digitalen Raum und unter Verwendung von digitalen Endgeräten umgesetzt werden.
Neue Herausforderungen zeigen Potenzial und Weiterentwicklungsmöglichkeiten auf
Auch das neue Schuljahr bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich. Schule kann und muss an vielen Punkten anders gedacht und organisiert werden. Plötzliche Schulschließungen und hybride Lernangebote führen weiterhin dazu, dass Unterstützungsbedarfe aufkommen oder erst sichtbar werden. #LernenVernetzt widmet sich auch diesen neuen Herausforderungen und gibt Studierenden die Gelegenheit, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler zu unterstützen und dabei auch den eigenen Professionalisierungsprozess zu reflektieren.
Damit dies gut gelingt, ist seitens der Universität geplant, den Studierenden und den Lehrkräften Online-Tutorials etwa in Form sog. "Coffee Cup Lectures" zur Verfügung stellen. Damit können sich alle Beteiligten zu derzeit virulenten Themen wie "Whatsapp, Zoom & Co.", "Gesprächsführung und Feedback" oder "Kognitiv aktivierende Aufgaben" auf denselben Wissensstand bringen.
Da es aufgrund des dynamischen Infektionsgeschehens weiterhin zur Kürzung beziehungsweise dem Ausfall von Praktika kommen kann, deren Aufholen eine Studienzeitverlängerung für die Studierenden bedeuten könnte, werden derzeit die Möglichkeiten zur Erbringung einer Ersatzleistung im Rahmen von #LernenVernetzt mit den jeweils Verantwortlichen geprüft. Auch wird die Verknüpfung anderer universitärer Projekte mit #LernenVernetzt ausgebaut und die curriculare Verankerung im Professionalisierungsbereich des Bachelorstudiums ausgelotet .
Auszeichnung mit dem Wissenschaftspreis Niedersachsen
Im November 2020 wurde das #LernenVernetzt-Team mit dem Wissenschaftspreis Niedersachsen in der Kategorie "Sonderpreis für kooperative Innovationen in der digitalen Lehre" ausgezeichnet.
Alexandra Krüger, M. Ed. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leibniz School of Education (LSE). Sie ist Teil des Teams #LernenVernetzt und koordiniert zudem das Handlungsfeld 3 des QLB-Projekts Leibniz-Prinzip. Außerdem leitet sie das Programm Peer-Mentoring für Lehramtsstudierende der LSE.
Helene Pachale, M. Ed. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar und an der LSE. Sie ist Teil des Teams #LernenVernetzt und arbeitet außerdem im Rahmen des QLB-Projekts Leibniz-Prinzip an der inhaltlichen und strukturellen Neuausrichtung des Fachpraktikums im Fach Spanisch.
Mandy Schwarze, M. A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der LSE. Neben der Arbeit im Team #LernenVernetzt ist sie Referentin für innovative Lehr- und Lernformen im Kontext der Digitalisierung.
Prof. Dr. Katharina Müller leitet den Arbeitsbereich Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Lehr-Lernforschung am Institut für Erziehungswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Sie ist Teil des Teams #LernenVernetzt und neu gewählte Direktorin für Studium und Lehre an der LSE.